Anarchismus und Marxismus – Nur zwei feindliche Brüder ?

8. Juni 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Buchvorstellung mit Phillippe Kellermann, Berlin

 

Die sozialistische Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts ist untrennbar mit den zwei großen ideengeschichtlichen Strömungen Anarchismus und Marxismus verbunden. Zur Geschichte und Gegenwart dieser sozialistischen Bewegungen
gehört allerdings auch die Sprachlosigkeit untereinander. Die anarchistische Seite bemüht sich in den letzten Jahren insbesondere in der Person von Phillippe Kellermann um ein Aufbrechen dieses abgerissenen Dialogs. In mehreren
Publikationen sind Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser ideengeschichtlichen Strömungen thematisiert worden. Wo liegt die Zukunft eines wünschenswerten Dialogs, wo ihre Grenze? Das „Bakunin-Jahr“ (Bakunin wurde 1814 geboren) bietet die Möglichkeit einer weitergehenden Klärung und Auseinandersetzung.


Freitag, 13. Juni 2014 20.00 Uhr
Buchhandlung mondo, Elsa-Brändström-Str. 23, Bielefeld
Am unteren Ende der Arndtstraße, direkt am Bahndamm

Werbeanzeigen

Die ‚imperiale‘ Lebensweise in den reichen Ländern der Erde – ein globales Problem

8. April 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Vortrag und Diskussion mit Friederike Habermann (BUKO)

In dieser Veranstaltung wird der Alltag der meisten Menschen in den reichen Ländern der Erde kritisch beleuchtet. Dieser Alltag baut vor allem auf dem Konsum industriell und warenförmig hergestellter Massenprodukte auf. Im Vortrag der Referentin Friederike Habermann von Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) und bei der anschließenden Diskussion wird folgendes angesprochen: Warum werden die riesigen und immer noch anwachsenden ökologischen Probleme auf unserem Planeten zwar öffentlich anerkannt, aber nicht grundsätzlich bekämpft? Warum wollen eigentlich alle „so weiter“ machen?
Diese Fragen stellen den Ausgangspunkt dar für den Begriff der „imperialen Lebensweise“. Die Stärke dieses kritischen sozialwissenschaftlichen Konzepts liegt darin, das Spannungsfeld zwischen größeren gesellschaftlichen Verhältnissen einerseits und dem Alltag der Menschen andererseits zu benennen und beides zugleich kritisch im Blick zu behalten.
Die Lebensweise der Menschen im „globalen Norden“ (ein geopolitischer Ausdruck, der vor allem die reichen kapitalistischen Länder in Europa und Nordamerika, sowie Australien und Japan meint) kann als „imperial“ bezeichnet werden. Denn diese Lebensweise setzt einen unbegrenzten und oft gewaltsamen (z.B. militärischen) Zugriff auf Ressourcen, Raum, Arbeitsvermögen in anderen Ländern und Kontinenten voraus. Dies war bereits Teil der Kolonialisierung ab dem 16. Jahrhundert und des liberal-kapitalistischen Weltsystems des 19. Jahrhunderts. Damals beschränkte sie sich jedoch auf eine reiche Minderheit der Menschen. Spätestens seit der Nachkriegszeit aber wurde sie Teil des Alltags der Bevölkerungsmehrheit im globalen Norden. Dieser Alltag ist seitdem geprägt von Automobilität, Eigenheim, Fleischkonsum und industriell gefertigten Produkten. Folgende weiterführende Fragen sollen besprochen werden: Inwiefern ist die imperiale Lebensweise rassistisch geprägt? – Schließlich ist sie mit Wirtschaftsbeziehungen verbunden, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Und wie sehr verbirgt sich in ihr ein patriarchales Denken, wie es in jüngster Zeit Feministinnen in Lateinamerika diskutieren? Die Referentin befragt den Begriff der imperialen Lebensweise also auch auf seine Tauglichkeit, die Verbindung von verschiedenen Herrschaftsverhältnissen (Kapitalismus, das Geschlechterverhältnis, Rassismus etc.) zu erfassen.
Natürlich soll auch darüber nachgedacht werden wie wir der imperialen Lebensweise entkommen können. Dabei wird aufgezeigt, dass individuelle Ansätze wie Fahrradfahren und vegane Ernährung aus dem Supermarkt keine Lösung sind, denn die grundlegenden Produktions- und Konsummuster werden damit lediglich ökologisch modernisiert. Aber was dann?
Im Anschluss an diese Diskussion wird die Bundeskoordination Internationalismus (die BUKO) vorgestellt werden. Die BUKO ist ein Netzwerk von Einzelpersonen und Gruppen, die sich mit der globalen Nord-Süd-Politik, Kapitalismuskritik, Rassismus und Kolonialismus, Geschlechterverhältnissen, Ökologie und vielem mehr beschäftigen. Jedes Jahr veranstaltet dieses Netzwerk den Bundeskongress Internationalismus (der BUKO), der vom 29.05. bis 01.06. 2014 in Leipzig stattfinden wird. Eine Gruppe von aktiven Menschen aus Bielefeld möchte den Kongress besuchen und ruft alle Interessierten auf, mitzukommen!


 

Donnerstag 24.04.2014, 19 Uhr
Bürger_innenwache Siegfriedplatz Bielefeld (großer Saal unten links)

eine Veranstaltung der AG Freie Bildung an der Uni Bielefeld
http://www.agfreiebildung.org
http://www.buko.info/

Let’s make anarchism a threat again

4. April 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Crimethinc_Tour14neu>> Neben der Vorstellung des Buches „Work“ geht es auch um neuere Analysen und Texte. Gemeinsam mit euch wollen wir dabei unsere Kritik schärfen und uns über den veränderten Kontext austauschen, Perspektiven und Widerständigkeiten denken und entwickeln. <<

Vortrag und Diskussion mit einem Vertreter der CrimethInc.-Kollektivs aus den USA

12.April.2014 | 20 Uhr

Infoladen Anschlag, AJZ

Heeperstraße 132

weitere Infos unter: crimethinc.blogsport.de

Wirklicher Sozialismus statt Realsozialismus? mit Bini Adamzcak

26. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Sozialismusdiskussion-Adamzcak

Wie weiter nach dem Untergang der „realsozialistischen“ Systeme? Die
Idee des Kommunismus erfährt angesichts der verbreiteten kapitalistischen
Krisen und Kriege wieder neue Popularität. Was sind die Grundlagen
dieses neu erwachten Interesses?
Die Krisen und Revolten in Tunesien, Ägypten, den USA, Griechenland
und Spanien haben neue Bedingungen entstehen lassen die den Wunsch
nach einer radikalen Gesellschaftsveränderung überhaupt erst wieder
denkbar, vorstellbar, wünschbar werden ließen. Das Ende des „Endes der
Geschichte“ scheint erreicht, der Antikapitalismus mittlerweile wieder
konsensfähig geworden zu sein. Aber emanzipatorische oder gar kommunistische
Visionen und Alternativen finden keinen Nährboden ohne
eine entschiedene Abgrenzung zu den untergegangen Systemen der Sowjetunion
und ihrer befreundeten Staaten. Gleichfalls müssen die Prinzipien
und Grundlagen einer alternativen,befreiten Gesellschaft auch
gegen das verbreitete Bilderverbot erneut zum Thema werden.
Einen wichtigen Beitrag dazu hat in der Vergangenheit unsere
Referentin geleistet.

Dienstag, 8. April 2014 20.00 Uhr

Buchhandlung mondo

Selbstverständnis März 2014

20. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

ag freie bildung

// wer wir sind und was wir wollen //

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die die Überzeugung teilen, dass die Notwendigkeit zur radikalen Veränderung der herrschenden Verhältnisse besteht und die Hoffnung auf eine befreite und emanzipierte Welt nicht aufgibt.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir ein bestimmtes Maß an Freiheit und Privilegien haben. Trotzdem fühlen wir uns im Alltag, in der Uni, eigentlich immer eingeengt, reglementiert und Zwängen ausgesetzt. Dafür machen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich, die uns umgeben und die auch wir selbst (re)produzieren. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse sind für uns unter anderem durch Sexismus, Rassismus, Homophobie und die Zwänge des Kapitalismus geprägt. Gleichwohl halten wir daran fest, dass eine andere Welt möglich ist, in der alle Menschen selbstbestimmt und frei leben können, eine Welt ohne Ausbeutung, Diskriminierung und (neokoloniale) Herrschaftsstrukturen.

Das Streben nach emanzipatorischen Veränderungen wird jedoch bei jeder Möglichkeit gebremst und bekämpft. Dennoch und vielleicht gerade deshalb bleibt ein Festhalten an der Idee einer radikal anderen Gesellschaft für uns alternativlos. Wenn wir in dieser Gesellschaft nicht bekommen können, was wir möchten, ohne andere zu schwächen und auszubooten, wenn wir sehen, dass unser Handeln, ob wir das möchten oder nicht, Teil einer Welt ist, die wir ablehnen, dann suchen, fragen und probieren wir uns aus, um Alternativen zu finden.

 

Warum freie bildung mehr ist als die Abschaffung der Studiengebühren

Wir haben uns 2008 im Zuge des Widerstands gegen Studiengebühren gegründet. Unsere Gruppe wurde nach kurzer Zeit zu einer AG des AStA der Uni Bielefeld und arbeitete fortan unter dem programmatischen Titel ‘ag freie bildung’. Ziel war es von Anfang an, sich unabhängig vom Kern- AStA und von parteipolitischen Strukturen in einem undogmatischen linken Rahmen organisieren zu können. Thematisch standen hierbei zum einen hochschulpolitische Themen im Mittelpunkt und es wurden zum anderen Protestaktionen gegen Studiengebühren und den Hochschulrat sowie Informationsveranstaltungen zu den Möglichkeiten einer basisdemokratisch organisierten Hochschule organisiert.

Natürlich ging und geht die Arbeit der AG auch nach der Abschaffung der Studiengebühren weiter.

Denn freie bildung bedeutet für uns mehr als ein weitgehend kostenfreier Zugang zum sogenannten Bildungssystem. freie bildung ist für uns ein Gegenbegriff zu Bildung für den Kapitalismus (oder kapitalistischer Bildung), die den Zwängen des Systems unterworfen bleibt und deren Hauptaufgabe darin besteht, Humankapital für den Arbeitsmarkt zu generieren. 

Der Kampf um freie bildung richtet sich zum einen gegen den Ausschluss von Personen die sich ein Studium nicht leisten können und geht somit über die Überwindung unmittelbarer Zugangsbeschränkungen wie Studiengebühren und Numerus Clausus hinaus. Zum anderen richtet er sich auch auch gegen indirekte Hürden wie einem universitären Habitus oder die schulische Selektion bestimmter sozialer Gruppen.

Es geht um die Frage, wo innerhalb dieses Systems, Freiräume geschaffen werden können, die freie bildung ermöglichen. Freiräume in denen es nicht um Credit Points, Noten oder um Qualifikationen geht, die unser Humankapital auf dem Arbeitsmarkt verwertbarer werden lassen. Es geht darum Raum zu schaffen, der emanzipatorische Bildung möglich macht. Eine solche Bildung verstehen wir als Aneignung von Wissen und Fähigkeiten, die zum  Verständnis der Welt und zum besseren Leben in ihr nötig sind. Unter den gegebenen Umständen bedeutet das vor allem die Aneignung von Theorien und Praxen, die auf die Überwindung von Herrschaftsverhältnissen abzielen. Wesentlicher Bestandteil einer solchen Auseinandersetzung mit der Welt ist auch die Auseinandersetzung mit den Rollen, die wir in ihr einnehmen. So wollen wir uns bewusst machen, wo wir selbst Unterdrückung (re)produzieren und wie wir Dominanz in unserem Verhalten abbauen können. Da eine solche Bildung von einer kapitalistisch organisierten Universität nicht zu erwarten ist, sehen wir es als eine unserer wichtigsten Aufgaben, sie selbst zu organisieren und anderen zugänglich zu machen. Damit stehen wir der zunehmenden formalen Entpolitisierung und Kommerzialisierung des universitären Raumes kritisch gegenüber und wollen – zusammen mit an deren linken Hochschulgruppen und AGen – dieser Entwicklung klar entgegenwirken.

Da die Universität Teil größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge ist, sehen wir es als unausweichlich, den Blick aus dem Elfenbeinturm heraus zu richten.

Der Gruppe ist es deswegen wichtig, neben Hochschulpolitik auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Widerstandsbewegungen gegen die Herrschaftsverhältnisse zu fokussieren. Diesen Ansatz versuchen wir über die Verbindung von theoretischen Auseinandersetzungen und widerständigen Praktiken zu erfüllen. Das umfasst für uns auch, die Partizipation in verschiedenen sozialen Widerstandsbewegungen.

In diesem Kontext sehen wir uns als Teil einer globalen Bewegung, die die Veränderung der herrschenden Verhältnisse jenseits von Parlamenten, Gremien und sonstiger Stellvertreter_innen- Politik als unablässlichen Teil ihres Handelns begreift. Wir sind davon überzeugt, dass es weltweit widerständige Praktiken, kleinere und größere Protestbewegungen sowie grenzensprengende Solidarität gibt, die Risse in der herrschenden Ordnung entstehen lassen. So sind wir unter anderem inspiriert von den Ideen der zapatistischen Bewegung aus Chiapas/Mexiko und begreifen das zapatistische Prinzip des preguntando caminamos’ (‘fragend schreiten wir voran’) – als einen wichtigen Grundsatz unserer politischen Praxis, als Form des Vorwärtskommens. 

In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass es bei der Suche nach einer antikapitalistischen und antistaatlichen Politikform nicht darum gehen kann, schnelle Antworten zu finden, sondern dass jede Antwort viele neue Fragen hervorbringen wird. Wir haben keinen allumfassenden Plan für eine radikal andere Gesellschaft, wir brauchen diesen auch nicht, um daran festzuhalten, dass das was ist von Grund auf falsch ist. Anstelle eines dogmatischen Programms und des Wartens auf die große Revolution, die alles umwälzen wird, kann schon jetzt begonnen werden, mit einer Welt, in der viele Welten möglich sind!

ag freie bildung im März 2014

 

26. Oktober 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

The Empty Centre [1998 | Deutschland | 62 Min.] Im Zentrum von Berlin liegt der Potsdamer Platz. In der Weimarer Republik und dem NS-Staat war er das Zentrum der Stadt und das Zentrum von Macht. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief hier die Trennlinie des Kalten Krieges. Nach der deutschen Wiedervereinigung rekonstituiert sich das Zentrum. Dabei prägen transnationale Konzerne den architektonischen Wandel. Durch die Rezentrierung der politischen und ökonomischen Macht Deutschlands werden Menschen aus dem Stadtzentrum verdrängt und marginalisiert. Während der Film die urbane Restrukturierung nach der Wende verfolgt, zeigt er historische Kontinuitäten Deutschlands auf. Hierbei geht es immer um die Geschichte von Verbannung und Exklusion, um die Geschichte eines machtvollen nationalen Zentrums. Steyerl bearbeitet die Verschränkung von historischen und zeitgenössischen Verdrängungs- und Repräsentationspolitiken filmisch durch Montage, Überblendungen und dem Infragestellen dokumentarischer Objektivität.

Hito Steyerl ist Künstlerin, Filmemacherin und Autorin. Steyerl ist Professorin an der Universität der Künste in Berlin.

26. Oktober 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

////////////////////////////////////////////////

Buchvorstellung

4. Dezember 2013, 20:00 Uhr, Eintritt Frei
Buchhandlung Mondo, Elsa-Brändström-Straße 23, 33602 Bielefeld

////////////////////////////////////////////////

Immer wieder wird in Deutschland kontrovers diskutiert, ob, wann und warum israelkritische Positionen zum Nahostkonflikt nur kaschierter Antisemitismus seien. Peter Ullrich beleuchtet neue Perspektiven: Einerseits haben Lernprozesse der vergangenen Jahrzehnte dazu geführt, dass die linke Nahostdebatte in Deutschland heute komplexer und ausgewogener ist denn je. Andererseits bleiben doch die Gefahren für eine universalistische linke Position erkennbar. Immer wieder droht der Umschlag ins Partikulare, sei es in Form von Antisemitismus, Rassismus, Islam- feindlichkeit oder extremer Überidentifikation mit Konfliktakteuren. Aus wissens- soziologischer und diskursanalytischer Perspektive untersucht der Autor verschie- dene Aspekte des deutschen Blicks auf den Nahostkonflikt. (Verlagsankündigung)

Peter Ullrich, Soziologe und Kulturwissenschaftler, arbeitet am Institut für Protest- und Bewegungsforschung i.G. am Zentrum für Technik und Gesellschaft sowie am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin.