Höhere Mächte sind auch keine Erlösung

21. März 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Höhere Mächte sind auch keine Erlösung

Zur Konjunktur des Glaubens an „höhere Mächte“ in Zeiten der Krise
Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Jesus-Toast

Was verbindet so unterschiedliche Leute wie die reinkarnationsgläubige Waldorflehrerin, den selbstbewussten Kämpfer gegen gierige Bankster, die esoterisch angehauchte Bioladendauerkundin, den missionarischen Salafisten, die treue Kirchgängerin, den sonnwendfeiernden Neonazi, die eifrige Streiterin wider die Weltverschwörung der Bilderberg-Konferenz, den homophoben Rastafarian, die aus ihrem Krafttier Energie schöpfende Schamanin, den spirituelle Erlösung suchenden Insassen einer Yoga-Lebensgemeinschaft, den Hirtenworte verkündenden Bischof und die einer Verdünnung von 1:1 000 000 000 000 000 000 000 000 vertrauende grüne Stadtverordnete, die sich für eine kritische Verbraucherin hält?

Es ist der Glaube, ihr Wohl und Wehe hinge vom Walten höherer Mächte ab. Die einen verehren sie, die anderen fürchten sie. Die einen werfen sich ihnen wacker entgegen, die andern unterwerfen sich ihnen lustvoll. Die einen sind sanftmütig, die andern kochen vor Wut. Die einen sind religiös, die anderen atheistisch, die einen unpolitisch, die anderen hochpolitisch, die einen rechts, die anderen links. Und doch verbindet sie mehr als sie trennt: Der Hang zu einfachen Antworten auf komplizierte Fragen, das wohlige Gefühl, zur Gemeinschaft der Erleuchteten zu gehören und eine ausgeprägte Kritikresistenz.

Zeiten, in denen sich der krisenhafte Zustand der Welt herumgesprochen hat und Unsicherheit und Zukunftsängste um sich greifen, sind gute Zeiten für einfache Botschaften. Wo sich Demut statt Vernunft, Wut statt Kritik und Glauben-wollen statt Wissen-wollen durchsetzen, herrschen Denkfaulheit, Regression und Irrationalität. Doch nicht genug: Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist immer auch die nach starken Führern, die heutzutage gerne auch mal Führerinnen sein dürfen, wenn sie nur Halt und Orientierung versprechen.

Was muss emanzipatorische Kritik leisten, die sich weder mit der kapitalistischen Krise noch mit ihrer regressiven Verarbeitung in den Köpfen abfinden will und die am Ideal einer Gesellschaft freier Menschen in freien Vereinbarungen festhält?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für konkret, Jungle World und emafrie.de

04. April | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von ag freie bildung

Café Caracol & AG-Treffen im WS 15/16

11. November 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Auch in diesem Semester gibt es wieder das wöchentliche Café Caracol in unserem Raum.

Du findest bei uns leckeren zapatistischen Soli-Kaffee, Tee, Gebäck oder einfach nur einen gemütlichen Platz auf dem Sofa. Komm vorbei zum abhängen und quatschen, zum diskutieren oder zum stöbern in unserer kleinen aber feinen Bibliothek.

Jede Woche Mittwochs von 14:00 bis 17:00 Uhr in C02-206.

Darüber hinaus bist Du herzlich eingeladen dich aktiv bei uns zu beteiligen. Erste Infos bekommst du entweder im Cafe oder per Mail. Wir treffen uns jeden Dienstag um 18 Uhr in C02-206.

*Community Accountability*

29. Juli 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Konzepte „Community Accountability“ und „Transformative Justice“ sind Strategien, um mit sexualisierter Gewalt umzugehen. Dabei wird nicht auf staatliche Mechanismen (wie z.B die Polizei oder Justiz) zurückgegriffen, sondern innerhalb der Community ein Umgang mit der Gewalt gefunden. Während des Prozesses wird sowohl mit den Betroffenen als auch den Täter*innen gearbeitet. Dabei werden sowohl individuelle Gerechtigkeit als auch eine Veränderung der Gesellschaft angestrebt.

Nach einer Einführung in die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Strukturen und sexualisierter Gewalt, werden zentrale Aspekt der beiden Konzepte vorgestellt.
Im Anschluss möchten wir gerne mit euch in einen Austausch treten: Wie gehen wir mit sexualisierter Gewalt um, wenn sie in unserem sozialen Umfeld stattfindet? Hat eure politische Gruppe/ eure Community ein Konzept wie ihr im Falle von sexualisierter Gewalt handelt? Kennt ihr noch andere Konzepte?

Unsere Referent*innen zu dem Thema haben leider abgesagt. Da wir das Thema sehr wichtig finden, wollen wir die Sitzung nicht ausfallen lassen. Daher haben wir uns entschlossen unser Wissen wiederzugeben und anschließend mit euch in eine Diskussion zu treten.

gruppe_x

„Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion und wünschen uns einen respektvollen Umgang. Wir behalten uns vor ggf. vom Hausrecht Gebrauch zu machen.“*

03. August | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von gruppe_x und ag freie bildung

Philipp Felsch „Der lange Sommer der Theorie Geschichte einer Revolte 1960 – 1990“

13. Juli 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

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Lesung mit Philipp Felsch
Moderation: Oliver Flügel-Martinsen

Theorie – von dem Wort ging seit den sechziger Jahren ein magisches Leuchten aus. Theorie war ein Glaubensartikel, eine Wahrheitsmaschine und ein Lebensstil. Doch woher kam die Faszination für die gefährlichen Gedanken? Philipp Felsch folgt in seinem Buch den Hoffnungen und Irrwegen einer Generation, die sich in den Dschungel der schwierigen Texte begab. Für drei Jahrzehnte gehörte der Theorieband als Vademekum in jede Manteltasche. Es war die Zeit der apokalyptischen Meisterdenker, der glamourösen Unverständlichkeit und der umstürzenden Lektüreerlebnisse. In einer Welt, die im Kalten Krieg erstarrte, ging nur von großen Ideen Bewegung aus. Je schwieriger die Texte, desto intensiver die Lektüre, je abstrakter die Argumente, desto relevanter für die Wirklichkeit. Heute, wo die intellektuellen Energien von ’68 in schwach glimmende Substanzen zerfallen sind und viele der einstigen Akteure ihre Memoiren geschrieben haben, ist es Zeit zurückzublicken: Was war Theorie? In West-Berlin versorgte der Merve Verlag die Leser von den Kadern der Studentenbewegung über Spontis und Punks bis zu den Avantgarden des Kunstbetriebs mit ihrer Ration von wildem Denken. Philipp Felsch schreibt die Geschichte einer geistigen Revolte, indem er den Abenteuern der Büchermacher und ihres Umfelds folgt. Vor allem aber vertraut er sich der Geschichte ihrer Leser an, um eine Epoche wiederauferstehen zu lassen, in der das Denken noch geholfen hat. (Verlagsankündigung, C.H. Beck)

Philipp Felsch ist Juniorprofessor für Geschichte der Humanwissenschaften an der HU Berlin.

Oliver Flügel-Martinsen ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Bielefeld.

15. Juli | 20 Uhr | Artist Unlimited
Veranstaltetin Kooperation mit dem //re_vision medienkollektiv, der Antifa AG der Uni Bielefeld und Artist Unlimited

Konkurrenz – Rektorat – MVM – Scheiße! Gegen die neoliberale Steuerung der Hochschule

5. Juli 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Wissenschaft ist Konkurrenz. – G. Sagerer

Die meisten Stupa-Listen sind sich einig: Mittelverteilungsmodell (MVM) geht gar nicht klar! Dennoch wird es am 08.07.2015 im Senat endgültig abgestimmt. Aber unabhängig davon, wie diese Abstimmung ausgeht, hat die Entscheidungsgewalt sowieso der nicht gewählte Hochschulrat. Dort ist das MVM schon längst beschlossene Sache.

Das MVM sieht vor, dass die Fakultäten nicht mehr wie bisher frei über ihre Finanzen verfügen können. Stattdessen wird den Fakultäten ein Drittel der Gelder zunächst gekürzt. Um die eine Hälfte davon, etwa 12 Mio. Euro, sollen alle Fakultäten gegeneinander konkurrieren. Das Rektorat behauptet, der Wettbewerb zwischen den Fakultäten würde diesen dabei helfen, ihre eigenen „Potentiale“ besser zu entfalten. Dabei soll aber nicht die wissenschaftliche und fachinterne Diskussion entscheiden, sondern die Menge der eingeworbenen Drittmittel, der veröffentlichten Papers, die Anzahl der Studienabschlüsse etc. Für die andere Hälfte müssen sie Anträge an das Rektorat stellen, sich ihm gegenüber rechtfertigen und auf dessen Zustimmung hoffen. Wer das Geld bekommt, entscheidet das Rektorat nach seiner „strategischen Planung“. Es behauptet, besser als die Forscher*innen und Studierenden in den Fakultäten zu wissen, was gerade in dem jeweiligen Fachgebiet „zukunftsfähig“ und lukrativ in der Forschung sei.

Vor allem ist das MVM also ein Instrument zur Durchsetzung einer neoliberalen Hochschule. Alles orientiert sich daran, andere Unis auf dem Markt auszustechen. Mit einem verfügungsgewaltigen Rektorat als Vorstand, einem Hochschulrat als Aufsichtsrat und Fakultäten als produktiven Unternehmensabteilungen soll sich die Uni verhalten wie ein Unternehmen. Wissenschaft entfaltet sich aber nicht durch Konkurrenz und knappe Budgets: wir denken, dass sich die sog. Potentiale“ nur verwirklichen lassen in einer kooperativen Uni mit autonomen Fakultäten und voller Selbstverwaltung aller Statusgruppen.

Nächstes Jahr gibt’s noch Geld. Sagt das Rektorat. Und danach?

Die Durchsetzung des MVM ist nicht das Ende der Fahnenstange und mit Sicherheit nicht der letzte Versuch der Durchsetzung neoliberaler Politik an der Uni. Dennoch wollen wir nochmal ein Zeichen des Protestes setzen und die Senatssitzung zum Anlass nehmen, unsere Kritik am MVM zu artikulieren.

Kommt deshalb am Mittwoch, den 08.07.2015 um 8.30 Uhr, zum Infopunkt und spaziert mit uns zur Senatssitzung. Bleibt auch danach auf jeden Fall am Ball, wir tun es auch.

Eure AG Freie Bildung.

Technik

19. Mai 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

emanzipatorisches Medium oder Herrschaftsinstrument?

RoMo_Juni_Technik_mit_A_Ohme-Reinicke_2015
Was die Bedeutung von Technik für soziale und politische Prozesse angeht, gehen die Auffassungen innerhalb der kritischen Öffentlichkeit weit auseinander. Die einen sehen Technik, wie etwa das Internet, als Mittel zur Aktivierung sozialer Proteste und Demokratisierung der Gesellschaft, andere verstehen sie als Herrschaftsinstrument zur Kontrolle und Überwachung. Ausgehend davon steht im Mittelpunkt des Vortrags die Frage: Welchen Einfluss haben technische Entwicklungen auf Prozesse und Dynamik von sozialen Bewegungen und Protestbewegungen? Um einer Antwort auf die Spur zu kommen gibt der Vortrag zunächst einen knappen historischen Überblick über die Entwicklung von Technikauffassungen sozialer Bewegungen. Anschließend werden aktuelle Positionen dargestellt und schließlich wird ein Ausblick auf aktuelle Herausforderungen unternommen.

Dr. Annette Ohme-Reinicke, studierte in Frankfurt am Main, promovierte zum Technikbegriff sozialer Bewegungen und ist Lehrbeauftragte an der Universität Stuttgart. Ihre letzten Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Protestbewegung gegen „Stuttgart 21“, neuer Bürgerschaftlichkeit und politischer Partizipation.


01. Juni | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von //re_vision medienkollektiv und ag freie bildung

Risse in der neoliberalen Hegemonie

22. April 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Studierenden- und die Arbeiter_innenbewegung in Chile

mit Lucas Cifuentes

ausschnitt

Die Einrichtung des neoliberalen Projektes in Chile fand unter dem autoritären Regime der Pinochet-Diktatur statt, wodurch ein tiefgreifendes neoliberales Modell fast ohne eine politische oder soziale Opposition durchgesetzt werden konnte. Die Einzigartigkeit des Falls ergibt sich nicht nur durch den besonders ausgeprägten Charakter des neoliberalen Modells oder daraus, dass es neoliberalen Umbrüchen in anderen Ländern der Region oder in der Welt um Jahre vorausging, sondern auch aus den anti-neoliberalen Kämpfe verschiedener sozialer Bewegungen.

Eine soziale Bewegung, die international bekannt wurde, ist die chilenische Studierendenbewegung, die 2011 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte und bis heute anhält. In Bezug auf die massive Mobilisierung wie auch die Radikalität der Forderungen kann die Bewegung als die Wichtigste seit der Rückkehr zur Demokratie ansehen werden.
Parallel lassen sich seit dem Jahr 2006 eine Reihe von Arbeitskämpfen beobachten, die zwar keine so große Bekanntheit erlangten jedoch über traditionelle Formen und Forderungen der Arbeiter_innenbewegung der vorangegangenen Jahre hinausgehen.

Gibt es Verbindungen zwischen den beiden Erfahrungen? Wie enstanden und wie entstehen Risse im Herzen des neoliberalen Modells? Und welche Mechanismen haben de facto bis heute jeden strukturellen Wandel des aktuellen politischen und wirtschaftlichen Systems verhindert?

*Vortrag auf Spanisch mit Übersetzung ins Deutsche*

Montag, 11. Mai 18Uhr (c.t. )
Universität Bielefeld, Raum C02-228


 

Fisuras de la hegemonía neoliberal:
el movimiento estudiantil y de trabajadores en Chile

con Lucas Cifuentes

La instalación del modelo neoliberal en Chile se dio en un contexto autoritario (dictadura de Pinochet) lo cual permitió realizar el experimento neoliberal chileno sin oposición social ni política (o muy mínima) y por lo tanto de manera muy profunda. La singularidad del caso chileno no se debe exclusivamente al carácter del neoliberalismo y su anticipación respecto a otros países de la región y del mundo, sino también al carácter de los actores sociales y sus luchas contra-neoliberales.

Una lucha que se hizo conocido a escala internacional fue la lucha de los estudiantes que llega a su punto álgido el año 2011 y que hasta hoy sigue vigente. Ha sido por lejos la de mayor importancia desde el retorno a la democracia, ya sea en cuanto a su masividad como a la radicalidad de las demandas.
Por otra parte, aunque sin tanta notoriedad, desde el año 2006 al presente se vienen sucediendo una serie de luchas obreras que ha generado un punto de corte respecto a las tradicionales formas y demandas del movimiento de trabajadores de los años anteriores.

¿existe alguna conexión entre ambas experiencias? ¿Cómo se están generando fisuras en el corazón del modelo neoliberal? ¿Y cuáles son los límites y las murallas de contención que dicho modelo tiene y que de facto han evitado cualquier transformación estructural del sistema político-económico vigente?

*Presentación en español con traducción al alemán*

Lunes, 11. de mayo 18 h (c.t. )
Universidad de Bielefeld, sala C02-228