Von Schaukeln und Olivenbäumen. Die (Un-)Möglichkeit künstlerischer Intervention im öffentlichen Raum Universität

30. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Vortrag, Film und Diskussion mit dem //re_vision medienkollektiv

11. Juni 2013, 18 Uhr
D2-152, Universität Bielefeld

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Was zeichnet den öffentlichen Raum Universität aus und wo sind Nischen für künstlerische oder/und politische Interventionen?
Wie versucht die Universitätsverwaltung diesen Raum zu regulieren, zu ordnen und zu säubern? Wie hängt diese Entwicklung, die auch in Bielefeld ganz deutlich geworden ist, mit bildungspolitischen Programmen, wie der Exzellenzinitiative oder dem Konzept der Autonomie der Hochschulen zusammen?

In dieser Veranstaltung wollen wir anhand einer historischen und einer ganz aktuellen kritischen Intervention durch Studierende diesen Fragen nachgehen:
Im Januar 2013 will ein Student neunzig Schaukeln an die Galerie der Bielefelder Universitätshalle hängen und somit die starre Ordnung zaghaft durchbrechen. Noch vor der Durchführung wird ihm die Kunstaktion mit Androhung einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch von leitenden Universitätsvertretern verboten. Geschaukelt wurde trotzdem, auch wenn diese Intervention am Ende rabiat unterbunden wurde. Im Dezember 1976 malten Studierende der Universität Bielefeld und Exil-Chilen_innen der Brigade Salvador Allende im Zuge solidarischer Protestaktionen ein monumentales Bild an eine zentrale Wand der Bielefelder Universitätshalle. Anfänglich von Seiten der Universitätsleitung abgelehnt, erfährt die Solidaritätsaktion schnell eine Legitimation. Erst im Zuge des grundlegenden Umbaus der Campusuniversität steht der Verbleib des Bildes im Jahr 2011 zur Diskussion. Obwohl inhaltlich als auch in Fragen der Form „weit“ entfernt, starten Personen aus verschiedenen politischen Zusammenhängen eine Kampagne zum Erhalt des Bildes. Zu beiden exemplarischen Interventionen haben wir eigene kurze Dokumentationsfilme produziert, die wir auf der Veranstaltung zeigen und auch gerne diskutieren werden. Darüber hinaus werfen diese Aktionen unserer Ansicht nach nicht nur Fragen zu Öffentlichkeit und politischer Kunst auf, sondern verweisen zugleich auf den spezifischen Charakter des strukturellen Umbaus der bundesdeutschen Universitätslandschaft. Wie und von wem werden (öffentliche) Räume gestaltet? Welchen Einfluss haben politische Programme, wie die Exzellenzinitiative und der Bologna-Prozess, auf den sozialen Raum Universität? Welche (Gegen-)Strategien verfolgen die verschiedenen Akteure? Ist in einer zunehmend serviceorientierten Organisation Platz für kritische Kunst?

Diese Fragen betten wir in die aktuelle Situation in Bielefeld ein. Hier steht durch den kompletten Umbau auch eine Neudefinierung des gemeinsamen, öffentlichen Raumes an. In dessen Planung wurde von studentischer Seite bis heute wenig eingegriffen. Hierfür möchten wir in einer offenen Diskussion und durch aktuellste Informationen über den Umbau eine Möglichkeit bieten.

Das //re_vision medienkollektiv freut sich, in dieser Veranstaltung, den Film „Die Idee ist genug“ (zum Schaukelprojekt) das erste Mal der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

http://www.revisionmedienkollektiv.tumblr.com

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Mark Lombardi – Kunst und Konspiration

20. Oktober 2012 § 2 Kommentare

 

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MARK LOMBARDI, KUNST UND KONSPIRATION | D 2012 – 79 MIN – OMU

Film und Diskussion mit der Regisseurin Mareike Wegener

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Straße 94
33602 Bielefeld

19. November
20:00 Uhr
Eintritt frei

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Mark Lombardis Bilder sind riesige analoge Netzwerke. In diesen sind die Zusammenhänge, die finanziellen Transaktionen und gegenseitigen Einflüsse von Finanzwelt, Politik, Wirtschaft und Terrorismus visualisiert – eine globale Landkarte großer Wirtschaftsskandale, politischer Intrigen und Verbrechen.

Noch nie waren Informationen so leicht zugänglich wie im digitalen Zeitalter. Und noch nie war die Gefahr größer, sich in dieser unendlichen Informationsflut zu verlieren. Das Wesentliche ist nicht die Information selbst, sondern deren Verknüpfung und Einordnung. Und genau das leisten die Bilder von Mark Lombardi: die Verknüpfung unzähliger Informationen, die alle mittels klassischer Medien recherchiert worden sind. Tausende Karteikarten sind das Resultat jahrelanger Recherche in Büchern und Bibliotheken. Dieser immense Wissensfundus bildet die Grundlage von Lombardis Kunst. Ein ausgeklügeltes Pfeilsystem lässt die Betrachter_innen in das Netzwerk von Lombardis Bildern eintauchen. Dabei changiert die Perspektive ständig zwischen der Sicht auf die konkreten Zusammenhänge und deren Gesamteindruck als künstlerischem Objekt. Die Schlüsse aus diesen Verbindungen kann jede_r selbst ziehen. Lombardis Bilder geben Richtungen vor, verweigern sich aber jeder finalen Deutung. Die Methode seiner Visualisierung und Verknüpfung nennt Lombardi „Narrative Structures“.

Lombardis gründliche Recherche soll helfen die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen zu beleuchten. Ein Novum in der Kunstgeschichte: ein Kunstwerk dient als Quelle für laufende kriminalistische Ermittlungen. Lombardi visualisierte Verbindungen in der Gegenwart, die durch ihre wechselseitigen Auswirkungen die Zukunft und damit unsere heutige Gegenwart bestimmen und prägen. Lombardis Schicksal zeigt, wie viel Macht in Informationen steckt und welche Gefahren sie bergen. Der Film bietet ein spannendes Künstlerporträt, das zeigt, wie Lombardis Werke entstanden sind und was sie bewirken.

Das Erbe des Situationismus: Street Art zwischen Revolte, Repression und Kommerz

5. Mai 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Miss.Tic

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Veranstaltung: Street Art zwischen Revolte, Repression und Kommerzialität. Skizziert am Beispiel der Pariser Künstlerin Miss.Tic und des Hamburger Sprayers OZ

Vortrag von Klaus-Peter Flügel

26. Juni 2012, 19 Uhr
D2-152, Universität Bielefeld

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Wenige Jahre nach der offiziellen Auflösung der Situationistischen Internationale 1972 machte sich die Pariser Künstlerin Miss.Tic daran, Techniken aus dem Verfremdungsrepertoire für ihre individuellen künstlerischen Zwecken zu entführen. Das Umherschweifen (dérive) in der Stadt, das Sprühen ihrer Schablonentextbilder auf die Pariser Mauern wurde zum konspirativen Ausgangspunkt ihres kreativen Schaffens, das dem öffentlichen Aufsehen nicht entgehen sollte. Die Umdeutung von Werbemotiven (détournement), besonders im Hinblick auf die Selbst- und Fremddarstellung der Frau, war und ist ihr Sujet. Dieses Oeuvre findet heute die Anerkennung eines Publikums, das sich zusammensetzt aus Galeristen, Kunstkennern, Kunstförderern in Werbung, Industrie und Politik – und unermüdlich den Pariser PassantInnen (récupération). Miss.Tic spricht ohne Umschweife über ihren kreativen Schaffensweg, in dem es allzu lange um das pure, nackte Überleben ging. Realität ist ihre Geschichte vom migrantisch geprägten Kind der Pariser Banlieues, welches wortwörtlich auszog, um sich subversiv mit Esprit, Erotik und Energie einen Platz in der (bürgerlichen) Kunstgeschichte zu erobern. Geschult in der Auseinandersetzung mit den Ideen der Situationisten (Debord und Vaneigem) ist jedoch der Songtitel „Your love don‘t pay my rent“ der New Yorker Sängerin Lydia Lunch Maxime ihres Schaffens.

In Hamburg wurde der Sprayer Walter F. alias OZ, in den letzten 30 Jahren für insgesamt 8 Jahre in den Knast geschickt, nur weil er seine immer gleichen Smiley-Zeichen oder Signaturen auf die Rückseiten von Verkehrsschildern oder auf verdreckte hässlich-graue Bunkerwände sprayte. Gilt hier für ihn das, was Baudrillard in „Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen“ schrieb: „Mit den Graffiti von New York wurden zum ersten Mal in großem Ausmaß und in höchst intensiver Freiheit die urbanen Bahnen und beweglichen Träger beschmutzt. Aber vor allem wurden zum ersten Mal die Medien selbst attackiert, also in ihrer Produktions- und Verteilungsweise. Und zwar eben deshalb, weil die Graffiti keinen Inhalt, keine Botschaft haben. Es ist diese Leere, die ihre Kraft ausmacht.“

Woher rührt (noch immer?) die subversive Kraft von Graffiti und das nicht erlahmende Verfolgungsinteresse staatlicher Repressionsorgane? Ist es die politische Dimension in Form von Illegalität und der Aneignung von Stadt, viel mehr noch als ihr künstlerisches Erscheinungsbild. Und kann Street Art ihren rebellischen Ursprungscharakter noch bewahren oder hat das Verwertungsinteresse des Kunstbetriebs bereits gesiegt?

KP Flügel hat (zusammen mit Jorinde Reznikoff) das Buch „Bomb it, Miss.Tic“ in der Edition Nautilus herausgegeben und den Prozess gegen OZ journalistisch für Radio FSK, Hamburg, und die GWR reflektiert.

Reihe: Kritische Kunst :: Künstlerische Kritik // Emanzipatorische Strategien im öffentlichen Raum

4. April 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Veranstaltungs-, Ausstellungs-, Partyreihe startet.

Ab dem 10. April ist im UniQ in der Halle der Uni Bielefeld die Ausstellung „Kunst_Protest_öffentlicher Raum“ zu sehen. Thema sind die Bildungs- und Sozialproteste in Chile, die seit dem letzten Jahr große Teile der Studierenden, Schüler_innen und Gewerkschafter_innen gegen Privatisierung und neoliberale Politik mobilisiert haben. Ein kurzer Rückblick auf die Bildungsproteste in Deutschland der letzten Jahre wird ebenfalls versucht. Im Zentrum steht ein neues Wandbild, das in Kooperation mit einer Künstlerin aus Chile entstanden ist. Es stellt eine Reminiszenz an das Chile Wandbild an der Stirnwand des Audimax dar. Dieses erlebte im letzten Jahr sein 35. Jubiläum. Wir stellen die Frage nach der (Un-)Möglichkeit künstlerischer Intervention in sozialen Kämpfen. Wir freuen uns auf Euch und Euer Feedback!

Party: sous le béton, la plage

19. März 2012 § 6 Kommentare

Veranstaltung: Lettristische und Situationistische Internationale

19. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Vortrag von Lars Hillebrand

17. April 2012

19 Uhr

D2-152, Uni Bielefeld

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Der Vortrag wird gehalten über Theorie und Praxis der Lettristischen/Situationistischen Internationale.

Diese revolutionäre, linksradikale Avantgardebewegung (1952-1972) um Guy Debord (gest.1994) thematisierte unter anderem sehr früh die Totalität der Massenmedien und des Alltagslebens. Ihr Hauptanliegen war die Aufhebung des vermeintlichen Gegensatzes von Kunst und Leben. Sie forderten in diesem Sinne die Realisierung der Versprechen der Kunst im (Alltags)Leben. Die Situationistische Internationale konzentrierte sich neben der kritischen Theoriebildung (Hauptwerk: Die Gesellschaft des Spektakles, Guy Debord von 1967) besonders auf die Praxis. In ihren Texten und Pamphleten liest man von utopischen Städten, die ausschließlich der Produktion von Präsenz, Abenteuer und Leidenschaft dienen. Entfremdete Arbeit und die Langeweile des Alltagslebens waren ihre erklärten Feinde.

Der Vortrag will zunächst in diese vielleicht letzte Avantgarde einführen. Zusätzlich sollen die Praxis- und Kunstformen der SI beleuchtet werden. Es sollen aber auch Verbindungen hergestellt werden zu aktuellen Kunst-, Subkultur- und Gegenkulturpositionen. Man denke hier an: Punk, Banksy und Culture Jamming.

Veranstaltung: Legal / Illegal – Über das Auftauchen und Verschwinden im Stadtraum

19. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Vortrag von Hans Winkler

19. April 2012

18 Uhr

D2-152 // Uni Bielefeld

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George Maciunas rief in einem Fluxus-Manifest zu Sabotage und Störung der Ordnungssysteme als Kunstaktion auf. Abbie Hoffman brachte den Börsenbetrieb an der Wallstreet für einige Stunden zum Erliegen nachdem er 100 Ein-Dollarnoten von der Zuschauertribüne den Brokern und Bankern zuwarf, Dennis Oppenheim attackierte die Benzin schluckende heilige Kuh des amerikanischen Traums und klaute von einer Reihe chrombesetzter Strassenkreuzer die Radkappen und Mel Hendersen bestellte in San Francisco einige hundert (gelbe)Taxis an einen Ort und dokumentierte das dabei entstehende Verkehrschaos, das sich aus der Vogelperspektive als Sonnenblume entpuppte.

Alle diese poetischen und subversiven Arbeiten zeugen von der Wichtigkeit mit künstlerischen Arbeitsformen in die Gesellschaft einzugreifen und auch politisch Stellung zu nehmen.

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Bezugnehmed auf das Buch “legal/illegal” wird Hans Winkler eine Auswahl von Aktionen und Interventionen von Dada, Situationisten, Fluxus- , Konzept- und Street – Art ) vorstellen. Arbeiten die durch ihre unkonventionenellen politischen Statements in die rechtliche Grauzone zwischen legal und illegal eingetaucht sind.

Zudem wird er auch eigene Arbeiten, als auch p.t.t.red Aktionen, die in Kooperation mit Stefan Micheel realisiert wurden, präsentieren.

Homepage Hans Winkler

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