Selbstverständnis März 2014

20. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

ag freie bildung

// wer wir sind und was wir wollen //

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die die Überzeugung teilen, dass die Notwendigkeit zur radikalen Veränderung der herrschenden Verhältnisse besteht und die Hoffnung auf eine befreite und emanzipierte Welt nicht aufgibt.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir ein bestimmtes Maß an Freiheit und Privilegien haben. Trotzdem fühlen wir uns im Alltag, in der Uni, eigentlich immer eingeengt, reglementiert und Zwängen ausgesetzt. Dafür machen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich, die uns umgeben und die auch wir selbst (re)produzieren. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse sind für uns unter anderem durch Sexismus, Rassismus, Homophobie und die Zwänge des Kapitalismus geprägt. Gleichwohl halten wir daran fest, dass eine andere Welt möglich ist, in der alle Menschen selbstbestimmt und frei leben können, eine Welt ohne Ausbeutung, Diskriminierung und (neokoloniale) Herrschaftsstrukturen.

Das Streben nach emanzipatorischen Veränderungen wird jedoch bei jeder Möglichkeit gebremst und bekämpft. Dennoch und vielleicht gerade deshalb bleibt ein Festhalten an der Idee einer radikal anderen Gesellschaft für uns alternativlos. Wenn wir in dieser Gesellschaft nicht bekommen können, was wir möchten, ohne andere zu schwächen und auszubooten, wenn wir sehen, dass unser Handeln, ob wir das möchten oder nicht, Teil einer Welt ist, die wir ablehnen, dann suchen, fragen und probieren wir uns aus, um Alternativen zu finden.

 

Warum freie bildung mehr ist als die Abschaffung der Studiengebühren

Wir haben uns 2008 im Zuge des Widerstands gegen Studiengebühren gegründet. Unsere Gruppe wurde nach kurzer Zeit zu einer AG des AStA der Uni Bielefeld und arbeitete fortan unter dem programmatischen Titel ‘ag freie bildung’. Ziel war es von Anfang an, sich unabhängig vom Kern- AStA und von parteipolitischen Strukturen in einem undogmatischen linken Rahmen organisieren zu können. Thematisch standen hierbei zum einen hochschulpolitische Themen im Mittelpunkt und es wurden zum anderen Protestaktionen gegen Studiengebühren und den Hochschulrat sowie Informationsveranstaltungen zu den Möglichkeiten einer basisdemokratisch organisierten Hochschule organisiert.

Natürlich ging und geht die Arbeit der AG auch nach der Abschaffung der Studiengebühren weiter.

Denn freie bildung bedeutet für uns mehr als ein weitgehend kostenfreier Zugang zum sogenannten Bildungssystem. freie bildung ist für uns ein Gegenbegriff zu Bildung für den Kapitalismus (oder kapitalistischer Bildung), die den Zwängen des Systems unterworfen bleibt und deren Hauptaufgabe darin besteht, Humankapital für den Arbeitsmarkt zu generieren. 

Der Kampf um freie bildung richtet sich zum einen gegen den Ausschluss von Personen die sich ein Studium nicht leisten können und geht somit über die Überwindung unmittelbarer Zugangsbeschränkungen wie Studiengebühren und Numerus Clausus hinaus. Zum anderen richtet er sich auch auch gegen indirekte Hürden wie einem universitären Habitus oder die schulische Selektion bestimmter sozialer Gruppen.

Es geht um die Frage, wo innerhalb dieses Systems, Freiräume geschaffen werden können, die freie bildung ermöglichen. Freiräume in denen es nicht um Credit Points, Noten oder um Qualifikationen geht, die unser Humankapital auf dem Arbeitsmarkt verwertbarer werden lassen. Es geht darum Raum zu schaffen, der emanzipatorische Bildung möglich macht. Eine solche Bildung verstehen wir als Aneignung von Wissen und Fähigkeiten, die zum  Verständnis der Welt und zum besseren Leben in ihr nötig sind. Unter den gegebenen Umständen bedeutet das vor allem die Aneignung von Theorien und Praxen, die auf die Überwindung von Herrschaftsverhältnissen abzielen. Wesentlicher Bestandteil einer solchen Auseinandersetzung mit der Welt ist auch die Auseinandersetzung mit den Rollen, die wir in ihr einnehmen. So wollen wir uns bewusst machen, wo wir selbst Unterdrückung (re)produzieren und wie wir Dominanz in unserem Verhalten abbauen können. Da eine solche Bildung von einer kapitalistisch organisierten Universität nicht zu erwarten ist, sehen wir es als eine unserer wichtigsten Aufgaben, sie selbst zu organisieren und anderen zugänglich zu machen. Damit stehen wir der zunehmenden formalen Entpolitisierung und Kommerzialisierung des universitären Raumes kritisch gegenüber und wollen – zusammen mit an deren linken Hochschulgruppen und AGen – dieser Entwicklung klar entgegenwirken.

Da die Universität Teil größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge ist, sehen wir es als unausweichlich, den Blick aus dem Elfenbeinturm heraus zu richten.

Der Gruppe ist es deswegen wichtig, neben Hochschulpolitik auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Widerstandsbewegungen gegen die Herrschaftsverhältnisse zu fokussieren. Diesen Ansatz versuchen wir über die Verbindung von theoretischen Auseinandersetzungen und widerständigen Praktiken zu erfüllen. Das umfasst für uns auch, die Partizipation in verschiedenen sozialen Widerstandsbewegungen.

In diesem Kontext sehen wir uns als Teil einer globalen Bewegung, die die Veränderung der herrschenden Verhältnisse jenseits von Parlamenten, Gremien und sonstiger Stellvertreter_innen- Politik als unablässlichen Teil ihres Handelns begreift. Wir sind davon überzeugt, dass es weltweit widerständige Praktiken, kleinere und größere Protestbewegungen sowie grenzensprengende Solidarität gibt, die Risse in der herrschenden Ordnung entstehen lassen. So sind wir unter anderem inspiriert von den Ideen der zapatistischen Bewegung aus Chiapas/Mexiko und begreifen das zapatistische Prinzip des preguntando caminamos’ (‘fragend schreiten wir voran’) – als einen wichtigen Grundsatz unserer politischen Praxis, als Form des Vorwärtskommens. 

In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass es bei der Suche nach einer antikapitalistischen und antistaatlichen Politikform nicht darum gehen kann, schnelle Antworten zu finden, sondern dass jede Antwort viele neue Fragen hervorbringen wird. Wir haben keinen allumfassenden Plan für eine radikal andere Gesellschaft, wir brauchen diesen auch nicht, um daran festzuhalten, dass das was ist von Grund auf falsch ist. Anstelle eines dogmatischen Programms und des Wartens auf die große Revolution, die alles umwälzen wird, kann schon jetzt begonnen werden, mit einer Welt, in der viele Welten möglich sind!

ag freie bildung im März 2014

 

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