Selbstverständnis Dezember 2012

11. Dezember 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

ag freie bildung
// wer wir sind und was wir wollen //

Selbstverständnis:

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die die Überzeugung teilen, dass die Notwendigkeit zur radikalen Veränderung der herrschenden Verhältnisse besteht. Deshalb verstehen wir uns als ein antikapitalistisches Projekt, das sich klar gegen Staat und Nation positioniert und die Hoffnung auf eine befreite und emanzipierte Welt nicht aufgibt.


Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir ein bestimmtes Maß an Freiheit haben – ja, nicht alles schlecht ist. Trotzdem fühlen wir uns im Alltag, in der Uni, eigentlich immer eingeengt, reglementiert und Zwängen ausgesetzt. Dafür machen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich, die uns umgeben und die auch wir selbst (re)produzieren. Diese ‚gesellschaftlichen Verhältnisse‘ sind für uns unter anderem durch Sexismus, Rassismus und einen kapitalistischen Verwertungszwang geprägt. Gleichwohl halten wir daran fest, dass eine andere Welt möglich ist, in der alle Menschen selbstbestimmt und frei leben können, eine Welt ohne Ausbeutung, Diskriminierung und (neokoloniale) Herrschaftsstrukturen.

Das Streben nach emanzipatorischen Veränderungen wird jedoch bei jeder Möglichkeit gebremst und bekämpft. Dennoch haben wir in den vergangen Jahren immer wieder versucht, uns Zwischenräume – Freiräume hier an der Uni und in der Stadt – zu schaffen, in denen die Herrschaftsverhältnisse, die uns umgeben und einengen, an Relevanz verlieren. Die Reflektion unseres eigenen Handelns und unseres Denkens, die für die Schaffung solcher Freiräume genauso wichtig ist, wie die Reflektion der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen, hat uns gezeigt, dass wir damit nicht immer erfolgreich waren. Ein Festhalten an der Idee einer radikal anderen Gesellschaft bleibt für uns dennoch alternativlos. Wenn wir in dieser Gesellschaft nicht bekommen können, was wir möchten, ohne andere zu schwächen und auszubooten, wenn wir sehen, dass unser Handeln, ob wir das möchten oder nicht, Teil einer Welt ist, die wir ablehnen, dann suchen, fragen und probieren wir uns aus, um Alternativen zu finden.

Was macht die AG?

Wir haben uns 2008 im Zuge des Widerstands gegen Studiengebühren gegründet. Unsere Gruppe wurde nach kurzer Zeit zu einer AG des AStA der Uni Bielefeld und arbeitete fortan unter dem programmatischen Titel ‚ag freie bildung‘. Ziel war es von Anfang an, sich unabhängig vom Kern- AStA und von parteipolitischen Strukturen in einem undogmatischen linken Rahmen organisieren zu können. Thematisch standen hierbei zum einen hochschulpolitische Dinge im Mittelpunkt und es wurden zum anderen Protestaktionen gegen Studiengebühren und den Hochschulrat sowie Informationsveranstaltungen zu den Möglichkeiten einer basisdemokratisch organisierten Hochschule organisiert.

Auch gegenwärtig stehen wir der zunehmenden Entpolitisierung und gleichzeitig stattfindenden Kommerzialisierung des universitären Raumes kritisch gegenüber und wollen – zusammen mit anderen linken Hochschulgruppen und AGen – dieser Entwicklung klar entgegenwirken. Der Gruppe ging es jedoch zugleich auch immer darum, über den Tellerrand der Hochschulpolitik hinauszuschauen und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Widerstandsbewegungen gegen die hegemonialen Herrschaftsverhältnisse zu fokussieren. Diesen Ansatz versuchen wir über die Verbindung von theoretischen Auseinandersetzungen und widerständigen Praktiken zu erfüllen. Über den Tellerrand des universitären Mikrokosmos zu schauen, bedeutet für uns auch, sich in die verschiedenen sozialen Widerstandsbewegungen einzubringen. Zur Zeit bereiten wir beispielsweise Veranstaltungen zu den Themen Arbeit, Ästhetik der Gewalt und Kritik der Religion und Esoterik vor.

In diesem Zusammenhang blicken wir abermals über den lokalen Kontext unserer politischen Praxis hinaus und sehen uns zugleich als Teil einer globalen Bewegung, die die Veränderung der herrschenden Verhältnisse jenseits von Parlamenten, Gremien und sonstiger Stellvertreter_innen- Politik als unablässlichen Teil ihres Handelns begreift. Wir sind davon überzeugt, dass es weltweit widerständige Praktiken, kleinere und größere Protestbewegungen sowie grenzensprengende Solidarität gibt, die Risse in der hegemonialen Ordnung entstehen lassen. Ein wichtiger Bezugspunkt unseres Handelns stellen in diesem Kontext die Ideen der zapatistischen Bewegung aus Chiapas/Mexiko dar. Ihre Prinzipien der basisdemokratischen Selbstorganisation und des emanzipatorischen Widerstandes inspirieren uns in unserer politischen Arbeit. Dies bedeutet für uns nicht nur eine direkte solidarische Unterstützung der zapatistischen Bewegung, sondern vor allem auch, selbst in den lokalen Zusammenhängen aktiv zu werden, Widerstand zu organisieren und auch mitzugestalten. Dabei begreifen wir das zapatisische Prinzip – ‚preguntando caminamos‘ (‚fragend schreiten wir voran‘) – als einen wichtigen Grundsatz unserer politischen Praxis, als Form des Vorwärtskommens.

„Die Revolution ist von einer Antwort in eine Frage umdefiniert worden. revolution ist ‚revolution mit kleinem r‘ eher als Revolution mit großem R. Sie bezieht sich auf die kreative und einfallsreiche Artikulation der Würde im Hier und Jetzt, und nicht auf ein zukünftiges Ereignis, auf die Ankunft in einem vordefinierten, versprochenen Land“
(John Holloway zum Prinzip des ‚preguntando caminamos‘)

In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass es bei der Suche nach einer antikapitalistischen und antistaatlichen Politikform nicht darum gehen kann, schnelle Antworten zu finden, sondern dass jede Antwort viele neue Fragen hervorbringen wird. Wir haben keinen allumfassenden Plan für ein radikal andere Gesellschaft, wir brauchen diesen auch nicht, um daran festzuhalten, dass das was ist von Grund auf falsch ist. Anstelle eines dogmatischen Programms und des Wartens auf die große Revolution, die alles umwälzen wird, kann schon jetzt begonnen werden, mit einer Welt, in der viele Welten möglich sind!

ag freie bildung im Dezember 2012

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Selbstverständnis Dezember 2012 auf ag freie bildung.

Meta